Vielfältiges Programm bei den 33. Rüsselsheimer Filmtagen im Stadttheater

Ein Festival als Plädoyer für den Animationsfilm

Trotz Hitze, trotz Fussball-WM: Die Rüsselsheimer Filmtage haben am Wochenende ihren Stellenwert als ein Kultur-Highlight der Stadt einmal mehr unterstrichen. Rund 1150 Besucherinnen und Besucher sahen und bewerteten an zwei Tagen die vom Förderverein und Stiftung Cinema Concetta ausgewählten satirischen Kurzfilme, die Macher von 15 Produktionen bewarben sich um die Plätze auf dem Siegerpodest. Novum bei der 33. Auflage des Festivals: Erstmals wurden alle drei vordersten Ränge von Animationsfilmen belegt. Zum Sieger kürte das Publikum das fünfminütige Werk „The Undying Pain of Existence“, das der schwedische Animator und Regisseur Oscar Jacobson an der Filmakademie Baden-Württemberg geschaffen hat. In 2D-Bildern geht es um ein Aktmodell an einer Kunstschule, das nach einem Mückenstich vergeblich versucht, die Beherrschung zu bewahren und dadurch zu einer besonders kreativen Inspiration für die Malklasse wird. 

Das Konzept der Veranstaltung im und am Stadttheater bewährte sich einmal mehr: Das Publikum entscheidet per geheimer Abstimmung über die Sieger, die Filmemacher sind anwesend und stellen sich auf der Bühne den Fragen von Moderator Philipp Engel - und nicht zuletzt sorgt der Biergarten auf dem Theaterplatz für Festivalstimmung. Hier treffen sich die Cineasten in den Pausen, Anke Schimpf und Stefan Kowollik spielen dazu sanften Jazz. Und neben Bier und Bratwurst hat sich der Grünkernbratling ebenso etabliert wie die obligatorischen Brausestäbchen.  

Die Filmtage beeindruckten auch diesmal wieder mit einem vielfältigen Spektrum. Da gab es das Sozialdrama auf einer Geburtstagsfeier, eine Betrachtung zur finalen Beendigung des Klimawandels oder eine Doku über Veränderungen, die das Ersetzen eines Schulleiters durch eine Schildkröte mit sich bringt.

Dass trotz der starken Konkurrenz die drei wählbaren Animationsfilme auch die drei ersten Preise gewannen, zeugt von der Beliebtheit, die dieses Genre offenbar gerade in Zeiten von KI-Perfektionsmus hat. Neben dem Hauptpreis der Cinema Concetta Filmförderung in Höhe von 5000 Euro für die folgenreichen Mückenstich-Auswirkungen gab es Rang zwei (und 2000 Euro von Hauptsponsor Stadtwerke Rüsselsheim) für Olaf Held und Jens Rosemann. „Immerhin“, so der Titel ihrer zweieinhalb Minuten kurzen Geschichte über zwei Bauarbeiter in einer Satire auf die Schablonen des Katastrophenfilms. Platz drei, dotiert mit 1000 Euro vom Bündnis „Stark für Rüsselsheim“, ging an David Sick für „Send Nudes“ und seine augenzwinkernd historisch daherkommende Betrachtung des sperrigen Themas „Recht am eigenen Bild“ in Zeiten von Deepfakes und millionenfacher Online-Verbreitung. 

Man darf gespannt sein, was aus den Rüsselsheimer Preisträgern 2026 wird: Vordere Plätze beim Filmtag waren nicht selten für viele Filmtag-Gewinner der Start in eine cineastische Karriere, so etwa für Carsten Strauch, und die späteren Oscar-Preisträger Thomas Stellmach oder Florian Henkel von Donnersmarck.

Präsent beim Kurzfilmfest sind nach wie vor auch Namen wie die des Rüsselsheimer Künstlers und Filmemachers Martin Kirchberger und seiner Mitstreiter Ralf Malwitz und Klaus Stieglitz vom damaligen Film-Team Cinema Concetta, das der späteren Stiftung den Namen gab. Sie fanden im Dezember 1991 mit 25 weiteren Mitgliedern beim Absturz eines Flugzeugs den Tod, als in der Kabine gerade letzte Szenen für die Satire „Bunkerlow“ gedreht wurden. Als Einstieg ins diesjährige Festival wurde die 1990 entstandene Satire „Frankfurt Fühlen“ gezeigt. Das Porträt eines Masseurs, der bei seinen Patienten erfühlen kann, aus welcher Stadt sie kommen, ist mittlerweile ein zeitloses Humor-Dokument der Rüsselsheimer Satiriker.